Im Bujinkan gibt es das Konzept der Henka 変化. Henka bedeutet “Variation, Veränderung Wandel oder Wechsel”. Hatsumi Sensei erklärt, dass das Wort “Henka” eigentlich aus zwei Kanji zusammengesetzt ist: “Hen 変” und “Ka 化”. Beide werden als “Veränderung” übersetzt, „Hen“ bedeutet, den Beginn einer Veränderung und „Ka“, das Ende einer Veränderung. Beide vervollständigen sich, wie In und Yō.

Man trainiert eine der grundlegenden Kata und variiert einige Aspekte davon. Egal ob es sich um einen andersartigen Schlag handelt, ob man sich stattdessen außerhalb der Angriffslinie bewegt, oder anders Blockt. Man variiert zuerst einen Aspekt, dann ändert man einen anderen Aspekt, bis man eine „neue“ Kata/Technik anwendet, jedoch auf die gleiche Art und Weise und mit dem Gefühl wie in der Original-Kata. Die Idee hierbei ist es, die zuvor erlernte und gefestigte Basis-Kata zu demonstrieren um sie dann im Fluss (Nagare) zu einer Henka zu verändern.

Dies kann für einen Anfänger ein schwieriges Konzept sein, und es wird vorkommen, dass ein Schüler eine Technik zeigt und diese falsch ausführt, um dann zu behaupten, dies sei eine Henka. Das ist eine fehlgeleitete Interpretation des Konzepts von Henka, da die Fähigkeit, die Basis-Kata richtig auszuführen, vorher erlernt werden muss um sie dann zu variieren.

Das Verständnis von Henka ist wichtig für unser Studium in den Bujinkan Künsten. Es spiegelt die Welt um uns und die ständig wechselnde Gegenwart wieder. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, wer Henka nicht versteht, versteht Soke´s Bujinkan nicht.

Hatsumi Sensei sagt dazu: “Das Training der ursprünglichen Technik ist wichtig. Mache keine Henka, bevor Du nicht die eigentliche Technik erfasst hast!

Das Training von Technikvariationen führt zu einem besseren Verständnis der Technik und somit zu einer besseren Anwendung. Der Vorteil dieser Unterrichtsmethode ist es, dass der Schüler zuerst ein Prinzip als eine starre Technik erlernt, z.B. das Prinzip des Kuzushi (Manipulation des Gleichgewichts), Moguri (nach unten abtauchen), Ten (nach oben hochspringen), usw.

Das Herzstück des Bujinkan sind die acht Kata der Kihon Happō und die fünf Kata der San Shin no Kata. Aus diesen Bausteinen stammen die unbewaffneten Techniken des Bujinkan Budō Taijutsu. Ein anderes einzigartiges Prinzip dieser Kunst ist die Idee, dass die Körperdynamik, die im Taijutsu verwendet wird, mit den verschiedenen Waffen des Bujinkan identisch ist, wobei Anpassungen aufgrund der Waffenlänge und die einzigartigen Merkmale der Waffe vorgenommen werden.

Dies ermöglicht es dem Schüler, zusammen mit den grundlegenden Taijutsu-Techniken, die Waffen-Basics zu erlernen, und somit seine Fähigkeiten parallel dazu aufzubauen. Durch die Verwendung dieses gemischten Ansatzes aus Taijutsu, Waffen und Variationen im Training hilft es dem Schüler und er wird nicht in eine starre Form gepresst, oder denkt, er muss einen Angriff nur mit einer bestimmten Technik beantworten.

Ein Schlag muss nicht immer geblockt oder absorbiert werden. Es muss angemessen auf eine einzigartige, bedrohliche Situation, die gerade passiert, reagiert werden. Es ist nicht angebracht, einen betrunkenen Freund bewusstlos zu schlagen, wenn er / sie gerade Unfug macht. Aber es kann nötig sein, einen Angreifer mit einer tödlichen Absicht angemessen zu stoppen. Man muss lernen, seine Techniken so zu entwickeln, dass sie auch angemessen der Situation angewendet werden können. Man muss verstehen, dass es keinen Sinn macht, einen Gegner zu werfen, der sein Gleichgewicht bereits wiedererlangt hat, oder jemanden zu schlagen, der sich bereits zurückgezogen hat. Dies würde dazu führen, sich selbst zu öffnen und Schwachstellen zu schaffen. Der Schüler muss versuchen, einen flexiblen und anpassungsfähigen Geist (Seishin) zu entwickeln.

Dieser Trainingsansatz funktioniert jedoch nicht für jeden. Dies ist jedoch normal, da jeder seinen eigenen Lernstil hat, um Informationen und Fertigkeiten an sich anzupassen. Diejenigen, die diesen Ansatz für das Training geeignet finden, werden jedoch herausfinden, dass es viele Möglichkeiten gegen die verschiedensten Angriffe gibt. Dies wiederum hilft ihnen, einen flexiblen Ansatz im Um-gang mit verschiedensten Konfrontationen zu entwickeln.

Dies führt uns zu einem anderen Prinzip im Bujinkan, das sich stark von den modernen Kampfsportarten unterscheidet – dass Ausweichen oder das verbergen von Absichten. Die ursprünglichen Praktizierenden des Ninjutsu wollten nicht kämpfen oder sich mit anderen messen, also taten sie alles, um Aufmerksamkeit und Konfrontationen zu vermeiden.

Im Training sollte man versuchen, dem Schüler beizubringen, einer Konfrontation durch Kenntnisse der Körpersprache und Verhandlungsgeschick aus dem Weg zu gehen. Wenn jemand jedoch unbedingt kämpfen will, geben sie ihm nicht, was er will. Es sei denn, sie haben wirklich keine andere Wahl. Es wird natürlich Situationen geben, in denen sie keine Gelegenheit haben, unbemerkt zu bleiben, zu verhandeln oder einer Konfrontation zu entgehen. Hier kann als letztes Mittel nur eine angemessene Antwort auf den Angriff gegeben werden.

Die im Taijutsu erlernten Fähigkeiten geben dem Bujinkan-Schüler die Möglichkeit, einen Gegner zu kontrollieren und/oder eine Konfrontation, in so kurzer Zeit wie möglich zu beenden – selbst wenn es nur darum geht, den Angreifer aus dem Weg zu räumen, um eine Flucht zu ermöglichen.