Vom 22.04.-23.04.2017 fand in Niederöblarn/Steiermark  der zweite Selbstverteidigungslehrgang des ÖFFK – Österreichischer Fachverband für Fernöstliche Kampfkünste (www.oeffk.at) statt.

Folgende Kampfkünste wurden zum Training angeboten:

Aikijutsu, Jodo, Jukempo, Karate, Kobudo, Bujinkan Budo, Taekwondo und Wing Tsun.

Jeder der Teilnehmer hatte die freie Wahl sich die Trainingseinheit auszusuchen, die ihn interessierte. Man hatte die Möglichkeit, jeden Stil über das Wochenende verteilt zu trainieren.

Die Möglichkeit, sich von jedem Stil etwas mitzunehmen wurde von allen Teilnehmern an diesem Wochenende rege genutzt und es wurden auch immer wieder Parallelen zur eigenen Kampfkunst in den verschiedenen Systemen gefunden.

Die letzte Stunde am Samstag wurde dazu genutzt mit einem Partner aus einer anderen Kampfkunst als der eigenen, ein realistisches Selbstverteidigungsszenario zu kreieren in der man einmal als Sieger und einmal als Verlierer hervorging. Diese Einheit war für alle Beteiligten sehr lehrreich, da man hierbei feststellen und spüren konnte in wie weit der „Gegner“ sich mit seiner Kampfkunst gegen die eigene behaupten kann bzw. mit welchen Mitteln in der anderen Kampfkunst gearbeitet wird. Die erarbeitete Kampfsituation wurde dann am Sonntag zum Abschluss des Seminars vor allen Teilnehmern vorgeführt und man konnte sehen, wie bemüht die einzelnen Teilnehmer diese Aufgabe erfolgreich gemeistert haben.

Der Samstag Abend wurde natürlich auch dazu genutzt, neue Bekanntschaften zu schließen und sich über die verschiedenen Systeme auszutauschen.

Aufgrund dieses sehr lehrreichen Wochenendes ergänze ich diesen Bericht mit meinen Gedanken und Überlegungen, warum diese Möglichkeit nur von einer sehr geringen Anzahl von Kampfkünstlern und -sportlern genutzt wird und um den einen oder anderen zum Umdenken zu bewegen.

Kampfsport ist sehr vielseitig und es gibt die verschiedensten Kampfsportarten und Kampfkünste, die sich dann auch noch weiterhin in verschiedene Stile aufteilen. Gar nicht so leicht da den Überblick zu behalten und für sich das Richtige zu finden.

Hat man erst einmal die Kampfsportart für sich gefunden, kann man darin geradezu aufgehen. Es gibt durchaus Menschen, die im Kampfsport soweit ihre Erfüllung sehen, dass sie ihr ganzes Leben danach ausrichten. Aber ganz egal wie intensiv Sie einen Kampfsport oder eine Kampfkunst lernen, Sie lernen immer ein System, das mit Stärken und Schwächen verbunden ist und das immer nur so gut ist, wie derjenige, der es ausführt.

Schauen Sie sich doch auch einmal andere Kampfsportarten an!

Auch wenn Sie sich sicher sind, genau die richtige Kampfsportart gefunden zu haben, schauen Sie doch einmal, was die anderen so machen. Vielleicht findet sich ja sogar die ein oder andere Sache, die Sie für sich persönlich behalten können!?

Gerade bei traditionellen Kampfsportarten kommt es speziell unter den höher Graduierten oft vor, dass das eigene System als das einzig richtige betrachtet wird. Das Training wird strikt danach ausgerichtet, immerhin will man ja genau dieses System erlernen. Das verursacht nicht nur Frust bei den Lernenden aufgrund des fehlenden Variantenreichtums, sondern sorgt auch dafür, dass das eigene Leistungspotential eingeschränkt wird.

Und das gilt nicht nur für einzelne Kampsportarten, sondern prinzipiell für jede Kampfsportart. Es bringt einem also nicht viel, wenn man wie mit Scheuklappen seinen eigenen Stil verfolgt. Wir sollten vielmehr wie ein Schwamm sein, der alles von überall in sich aufsaugt und das für einen persönlich Sinnlose wieder herauswirft. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass dieses Sinnlose für jemand anderen keinen Nutzen haben kann!

Es gibt eben letzten Endes kein System, das alles umfasst. Und deshalb kann man eigentlich noch weiter gehen und sagen „Es gibt nur eine Kampfkunst – nämlich die eigene“ – und damit ist nicht die Kampfkunst gemeint, die man als System lernt.

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