Es ist mir, nach nun über 25 Jahren Training durchaus bewußt, daß das System der Graduierungen im Bujinkan gerade von außen, aber auch innerhalb des Bujinkan, skeptisch betrachtet wird. Zum einen liegt das wohl daran, daß es keine einheitliche Prüfungsordnung gibt, wie in anderen Kampfkünsten.

Somit kann jeder Shidoshi-ho bzw. Shidoshi nach eigenem Ermessen bis zum Yondan (4. Dan) graduieren, was (und so ehrlich muß man sein) zu ziemlichen Qualitätsunterschieden zwischen einzelnen Graduierungsträgern und Dōjō´s führen kann und führt.

Das Problem daß ich in den verschiedenen Dōjō´s sehe, ist die Intention einer Graduierung in den unterschiedlichen Kulturen: So wird, meines Wissens nach, in Japan eine Graduierung verliehen, wenn Ansätze für diese Graduierung zu sehen sind und der Träger in seiner Motivation bestärkt werden soll, diese Graduierung auszufüllen bzw. hineinzuwachsen. Der westliche Kulturkreis, also auch wir, interpretiert allerdings eine Graduierung als den Verdienst von bestimmten Fähigkeiten und Könnens.

Als ich mit Bujinkan angefangen habe, wurde mir gesagt der Weg zum Shodan (1. Dan) sollte lt. Hatsumi Sensei mind. 5 Jahre dauern. Grundvoraussetzung zum Erlangen des Shodan ist die Beherrschung aller Techniken des Ten Chi Jin Ryaku no Maki – dies stellt die Basics unserer Kampfkunst dar. Das Niveau unserer Kampfkunst ist jedoch in vielen Dojos heute noch mehr als mittelmäßig, da vielen Trainern einfach die Basics (Grundlagen) fehlen.

Heutzutage sehe ich wie manche Schüler innerhalb kürzester Zeit den 1. Dan verliehen bekommen, einige Monate darauf den 2. Dan, wieder kurz darauf den 3. und 4. Dan um anschließend schnell nach Japan zu fliegen und dort den Godan (5. Dan) zu erlangen.

Ich frage mich, welchen Wert hat so eine Graduierung?

In meinen Augen bedeutet eine Graduierung nichts, wenn man nicht Kämpfen und sich selbst verteidigen kann. Hierfür ist es unerläßlich im Training auch mit einer gewissen Härte zu trainieren, sonst würden wir Gefahr laufen unsere Kampfkunst zu reinen Bewegungsübungen verkommen zu lassen.

Ich für meinen Teil studiere Bujinkan im Interesse des Lernens und Wachsens um ein besserer Kampfkünstler bzw. Mensch zu werden und nicht wegen der Graduierung.

Warum trainierst du Bujinkan?

Ich hoffe mit diesem Text einige zum Nachdenken zu bewegen!

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