Bujinkan Dôjô Shinden Kihon Kata

Dieses Buch enthält die Prinzipien des Himmels (Ten), der Erde (Chi) und des Menschen (Jin). Es wurde von Soke Hatsumi als Grundlagenwerk zusammengestellt, aus Teilen der einzelnen Schulen (Ryu-ha) in denen er Großmeister (Soke) ist oder die höchste Lehrlizenz (Menkyo-kaiden) besitzt.

Das Prinzip des Ten Chi Jin ist auch in den Schriftrollen (Densho) der Gyokko Ryu und in den 15 Dan Rängen des Bujinkan zu finden, wie:

Ten = 1. – 5. Dan

Chi = 6. – 10. Dan

Jin = 11. – 15. Dan

Drei Teile, die in ihrem inneren Prinzip eine Art des Sanshin (Drei Herzen) sind. Drei Teile die mit dem Herzen eines dreijährigen Kindes auszuführen sind. Durch diese geistige Haltung bleibt man offen für Neues und Verbindungen ineinander sind leichter zu erkennen.

Das lernen geht auf natürliche Art und Weise, immer neugierig zu entdecken, ohne vorbehalte, ohne Einschränkung. Das ist der beste Weg, denke ich, wie man an das Studieren der Basis (Kihon) herangehen sollte. Nicht zu verbissen, aber auch nicht zu lasch.

Aber was ist das Geheimnis (Gokui) dieses Ten Chi Jin Ryaku no Maki, dieser drei Teile und ihre Symbiose?

TenChiJinRyakuNoMaki

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  1. TEN RYAKU NO MAKI 天略の巻 – Das Buch des Himmels

Meine Gedanken dazu beginnen mit dem Ten Ryaku no Maki, den Prinzipien des Himmels. Der Himmel, das Universum gibt uns die Möglichkeit zu leben. Wir werden auf diese Welt geboren, unsere fünf Sinne entwickeln sich erst richtig aus, um die Reize zu verstehen die ihnen entgegen strömen. Das Gehirn ist zum Laden der Lernprozesse bereit. Krabbeln, Stehen und Laufen, sind weitere Schritte im Anfang eines menschlichen Lebens. Ein Gefühl für Balance, Timing und Distanz entsteht. Einfach gesagt man erwacht zum Leben, in diesem Leben. Genau das gibt uns das Ten Ryaku no Maki.

Das erste Drittel besteht hauptsächlich aus grundlegenden Bewegungen in alle Richtungen.

Die Füße sind der Schlüssel zur wirklichen Kampfkunst und starke Beine bedeuten eine starke Balance.

Taihenjutsu Ukemi Kata, sind Übungen, um Bewegungsfähigkeiten und Flexibilität zu entwickeln wie, gehen, stehen, rollen, fallen und zu springen. Gleichzeitig baut der Schüler ein Gefühl für den Körper auf.

Gyo Un Ryu Sui (In Harmonie mit der Kraft bewegen) und dem Ken Tai Ichi Jo (Körper und Waffe sind Eins) in Berührung und er erkennt das es der gesamte Körper ist, der sich bewegen muss.

Kamae, innere wie äußere Haltung des Körpers. Zeigt dem Schüler die Entschlossenheit, eine Körperhaltung aufzubauen.

Hoken Juroppo, dies sind die 16 Schlagmethoden, in denen der Schüler ein weites Spektrum an natürlichen Schlagprinzipien bekommt.

Die Sanshin no Kata, macht uns bewegungsfähig in den fünf folgenden Richtungen: mitte, links, rechts, oben und unten. Ihre Bewegungen sind ausladender und sollen dem Schüler ein Gesamtgefühl in der Aktion geben.

Die Kihon Happo, lehrt uns, uns auf eine eigene Art in einer Angriffs- oder Griffsituation zu bewegen, durch die Form in alle Richtungen auf unendliche Weise angepasst.

Muto Dori, lehrt uns die dynamische Distanzarbeit. Diese Bewegungen sind die Hauptarbeit im Lernprozess des Ten Ryaku no Maki. Sie lehren uns die korrekte Distanz, den Winkel und das Timing, bringen uns an Uke (Angreifer) heran oder von ihm weg. Wenn das Ten Ryaku no Maki gut vom Schüler verstanden wird, wird der Fortschritt für ihn in den Techniken leichter. Erwache zum Leben in der Kampfkunst des Bujinkan, dies ist der Beginn.

 

  1. CHI RYAKU NO MAKI 地略の巻 – Das Buch der Erde

Nun kommen wir zum Chi Ryaku no Maki, deren Prinzipien darin liegen, dass wir mit dem Gegner in Kontakt sind. Wie schon im Ten Ryaku no Maki beschrieben, führt uns das erste Level an den Gegner heran und dort beginnt das Chi Ryaku no Maki.

Das Erde Element ist ein starkes / stabiles / unerschütterliches Wesen. Die Formung und Entwicklung als Budoka liegt in diesem zweiten Level. Dem Reifungsprozess eines guten Weines ist dieser Prozess gleichgesetzt.

Das Ha Jutsu Kyo Ho, die neun Methoden um Griffen zu entkommen, hilft gegen Uke zu kontern, wenn die Distanz zu gering für Tori wird oder wenn er Toris Absicht fühlen kann.

Torite Kihon Dori no Kata, Kontroll-, und Festlegetechniken nehmen dann dem Gegner den Raum zur Bewegung.

Die acht Variations-Wechsel-Tritte (Happo Keri), veranschaulichen dem Schüler die Unterstützung der Beinarbeit, um sich von Körpergriffen zu befreien. Auch wenn Armbewegungen eingeschränkt sind, können die Füße reagieren.

Tritt-, Schlagabwehr und natürliche Überraschungsprinzipien. Hebeltechniken (Giaku Waza), Wurftechniken (Nage Waza und Ryu Sui Iki) und die Würgetechniken (Shime Waza) sind die klassischen Arbeitsweisen direkt am Gegner.

 

  1. JIN RYAKU NO MAKI 人略の巻 – Das Buch des Menschen

Das Jin Ryaku no Maki, ist das letzte Level des Ten Chi Jin Ryaku no Maki. Durch das Ten (den Himmel) und das Chi (die Erde) entsteht das Jin Ryaku no Maki, die Prinzipien des Menschen. Im höheren Sinne erlangt der Schüler hier seine eigene Entfaltung als Individuum, zur Freiheit des Seins.

Durch das Annähern und Arbeiten am Gegner, durch ihre Symbiose, erreicht der Schüler eine Ebene die zur Freiheit der Kampfkunst des Bujinkan führt. Er erkennt, dass das Arbeiten an einer guten Basis (Kihon) der einzige Weg ist, diese Freiheit zu erreichen. Grenzen werden aufgezeigt, durch das Vertrauen und die Stärke des Weitermachens (Keep Going) aber überwunden.

Das Haibu Yori, das Angreifen von Hinten bereitet den Schüler auf das spüren der Gefahr vor.

Schließlich steht der Schüler vor der Santo Tonko no Kata, den praktischen Fluchtmethoden und er steht vor den Prinzipien des Ninpo, der höchsten Ebene des Bujinkan.

„Um die Strategien von Himmel, Erde und Menschheit am erfolgreichsten zu benützen, muss der Schüler Eins werden mit allen Dingen im Universum, um den Geist der Blumen und des Bambus zu verkörpern. Du musst wissen, wann du dich bei Wind beugen musst und wissen, dass es nicht nötig ist sich zu beugen, wenn kein Wind ist. Du mußt fähig sein, selber zur Leere zu werden und die Geheimnisse des Benützens, des Totalitätsschemas zu meistern, um deinen Willen zu erfüllen.

Wenn du fragst, ob es wirklich Basistechniken im Ninjutsu gibt, dann werden wir sagen „nein“. Wenn du fragst, ob du die Basis korrekt übst, werden wir sagen, dass es keinen richtigen und kein falschen Weg gibt. Die Bewegung, die wir Basis nennen, sind nur Mittel für das Erreichen der natürlichen, immer angemessenen Bewegung, die mit der persönlichen Erleuchtung kommt.“

„Bampenfugio – 10.000 Wege führen zum Ziel!“

Im Budô Taijutsu wird jede Waffe als Verlängerung/ Erweiterung des eigenen Körpers verstanden. Alle waffenlosen Techniken können auch mit einer Waffe ausgeführt werden. Der Praktizierende muss lediglich die Besonderheiten der jeweiligen Waffe – des Werkzeuges – (Gewicht, Größe, Form, Material) berücksichtigen und seine Bewegung entsprechend modifizieren. Fortgeschrittene entwickeln irgendwann eine Art sechsten Sinn, der sie befähigt, mit einer Waffe umzugehen, ihr Gleichgewicht und ihre Handhabungsmöglichkeiten zu fühlen, ohne sie vorher schon einmal in der Hand gehalten zu haben.

Jede Technik folgt einfachen natürlichen Grundsätzen. Hat man diese Grundsätze einmal verstanden, wird die Arbeit mit Waffen einfach. Dieses Konzept ist für das Verständnis des Budô Taijutsu von entscheidender Bedeutung und beschreibt gleichzeitig die Grundlage für das Waffentraining im Bujinkan Kanyou-Ryū Dōjō Salzburg. Durch das Verstehen der natürlichen Grundprinzipien, die sich hinter den Formen und Techniken verstecken, wird der Praktizierende in die Lage versetzt, irgendwann in jeder Situation automatisch das Richtige zu tun.

Ab dem Godan (5. Dan) beginnt daher der Schüler, seine gelernten Formen mehr und mehr aufzubrechen, um letztendlich irgendwann frei und intuitiv agieren zu können. Das Training konzentriert sich jetzt stärker auf das Verstehen der Grundprinzipien hinter den Techniken anstatt auf das Lernen der Techniken selbst.

Das Training endet nicht mit dem Verlassen des Dôjô. Die Offenheit und die Anpassungsfähigkeit des Schülers werden ständig gefordert, müssen immer gegenwärtig sein. Diese Einstellung ist die Grundlage, um in dem fortwährenden Wechsel von Lernen und wieder Aufbrechen auf dem rechten Weg zu bleiben. Mit dem Godan erlangt man im Bujinkan die Freiheit, seinen eigenen Weg zu gehen. Wer jedoch glaubt, mit dem Erreichen des Godan seine Ausbildung abgeschlossen zu haben, hört auf sich weiterzuentwickeln. In Wirklichkeit fängt ab diesem Zeitpunkt das Training erst an.